Planen & Bauen

Fachforum Planen und Bauen

Die Arbeitsgruppen dieses Fachforums beschäftigen sich mit dem Themenbereich »Planen und Bauen«. Fragen sind dabei unter anderem: Wie kann eine höhere Dichte in der Bebauung erreicht werden? Wie können Freiräume in der Stadt entstehen? Welche innovativen Baumaterialien gibt es? Wie kann Biodiversität im urbanen Raum geschaffen und geschützt werden?

Bild: WRS/ KD Busch

Wie findet die Stadtregion Stuttgart eine regionale Identität? Wie gelingt regionaler Bürgersinn? Wie funktioniert die Stadtregion heute und wie soll sie in Zukunft funktionieren? Und was kann eine regionale, transparente und partizipative Planungskultur dazu beitragen?

Die Region Stuttgart versteht sich in übergroßem Maße als ein Sachwalter technologischen und verkürzt wirtschaftlichen Fortschrittes. Eine Internationale Bauausstellung in der Region, die den Lebensraum von drei Millionen Menschen ins Auge fasst, muss sich selbstbewusst ein gutes Stück vom bisherigen Selbstverständnis der Region Stuttgart freimachen. Regionaler Bürgersinn erfordert eine Besinnung auf die Bedürfnisse der Bürger. Dies zu erreichen erfordert eine mutige partizipative Governance in der Region.

Die AG ist beides – Gärtner und Gewächse. Als geeignetes Format für die Initiative schlagen sie Kulturtreibhäuser der IBAʼ27 vor.

  • Kulturtreibhäuser der IBAʼ27 sind beispielhafte bauliche Interventionen, die über die Stadtregion verteilt mit neuen Formen der regionalen Governance experimentieren – neue Formen der regionalen Zusammenarbeit, Mitwirkung und Bürgerbeteiligung, zivilgesellschaftliches Engagement auf regionaler Ebene
  • Ziel der Kulturtreibhäuser ist die Entwicklung einer regionalen Planungskultur
  • Kulturtreibhäuser sollen im Rahmen der IBAʼ27 temporär und an unterschiedlichen Orten in der Region entstehen – zunächst in den sechs beteiligten Landkreisen

Bild: Stadt Waiblingen, BDA

Wie werden wir wohnen? IBA für die es brauchen!

Können an den Schlagadern des Stadmetabolismus Brachflächen aktiviert werden?

Das Herz der Stadt versorgt seine Peripherie durch das für jedermann nutzbare Nahverkehrsnetz. Hier gibt es Raum für architektonische Lösungen, die den Gesamtorganismus sowie den Einzelnen befähigen und lebenswerte Räume entstehen lassen. Stadt und Region stärken sich gegenseitig. Auf den Teilbrachen an den S-Bahnhöfen und auf den Gleisgeländen können architektonische Knotenpunkte entstehen, um den Verkehr von Personen, Daten und Waren zu verdichten. Es wird der in fünf Minuten zu Fuß erreichbare Bereich betrachtet.

Exemplarisch wird der S-Bahnbereich im Remstal untersucht. An den Bahnhöfen der Stadt Waiblingen und der Gemeinde Remshalden wurden konkrete Planungsgebiete eingegrenzt. Diese wurden und werden momentan mit den Planungsämtern und Bürgermeistern entwickelt. Die Chance der interkommunalen Zusammenarbeit soll genutzt werden. Die Bemühungen der Städte Winnenden und Schorndorf, sowie weiterer Gemeinden entlang dieser »Perlenkette« können zu einem starken regionalen Netzwerk zusammengeschlossen werden. Weitere Potentiale bieten die sogenannten Enkelgrundstücke, die in ihrer Infrastruktur an die Nahverkehrsknotenpunkte angebunden werden könnten.

Bild: Krimmel Architekten

Innerstädtische Flächen werden immer knapper. Wie lassen sich innerstädtische Flächen zur qualitätvollen Bebauung finden oder schaffen? Gibt es überhaupt noch innerstädtisches Verdichtungspotenzial?

Innerstädtische Verdichtungen bedeuten in der Region Stuttgart häufig Investorenprojekte, bei denen alte Strukturen abgerissen werden. Neue Bebauung findet anschließend oft mit einem Dichtezuwachs von über 20 Prozent statt. Die Rendite steht im Vordergrund. Nachhaltigkeit, Lebensqualität, Architektur oder Baukultur werden vernachlässigt. Skepsis macht sich daher, nicht ganz zu Unrecht, bei dem Begriff Verdichtung breit. Mehr Akzeptanz für Nachverdichtung kann nur über Qualitäten erreicht werden. Zum Beispiel durch:

  • Qualitätvolle private und öffentliche Freiräume
  • Grün
  • Wohnformen und Strukturen, die soziales Miteinander fördern
  • Mehrwert für das Quartier oder das direkte Umfeld, wie z.B. besondere Nutzungsangebote, Gemeinschaftsräume, Erzeugung von Energie

Die Arbeitsgruppe hat das Ziel, private Akteure zur Nachverdichtung zu ermutigen. Sie erarbeitet einen Leitfaden zur Initiierung qualitätvoller Nachverdichtungsprojekte. Im ersten Schritt werden konkrete Nachverdichtungspotentiale gesammelt und analysiert sowie im zweiten Schritt anhand festgelegter Qualitätskriterien bewertet. Mit diesen Informationen lassen sich entsprechende Handlungsempfehlungen für das konkrete Nachverdichtungsprojekt ermitteln, um die Qualität zu steigern.

Bild: AG Neue Formen der Nutzungsmischung und der sozialen Quartiersentwicklung

Wie gelingen nachhaltige, gemischt genutzte Quartiere mit hoher Lebensqualität? Wodurch zeichnen sie sich aus? Lassen sich Kriterien entwickeln, um diese Qualitäten tatsächlich zu messen? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Planung neuer Quartiere und für Quartiersentwicklungen im Bestand?

Ziel der AG ist die Projektberatung anhand der Entwicklung einer Bewertungsmatrix für Quartiere. Dafür haben sich vier Arbeitskreise gebildet. Sie nähern sich Themen und Fragestellungen mit unterschiedlichen Methoden: Im Arbeitskreis »Quartiersmatrix« werden Merkmale erfolgreicher Quartiere identifizieren und sie in einem Bewertungsschema messbar gemacht. Sie können so für künftige Vorhaben angewendet werden und dadurch die Planungssicherheit verstärken. Der Arbeitskreis »Recherche Wissen« bildet durch das Sammeln und Auswerten von wissenschaftlichen Erkenntnissen den theoretischen Überbau zur Matrix. Der Arbeitskreis »Best Practice« analysiert beispielhafte Quartiere und ermitteln deren Erfolgsfaktoren. Mit dem Arbeitskreis »Kommunikation-Mentoring« möchten die AG die Vernetzung zu und zwischen den unterschiedlichen Akteuren der sozialen und funktionalen Quartiersentwicklung stärken und die Öffentlichkeit in den Diskurs mit einbeziehen.

 

Bild: Andreas Beulich

Bestehende und mögliche Freiräume stehen im Spannungsfeld vieler Interessen. Die AG gehen der Frage nach, wer über die Gestaltung von Freiraum und somit über die Beschaffenheit unseres Alltagslebens entscheidet. Wer hat das Recht auf die Produktion von Freiraum? Und im Umkehrschluss: wer nicht?

Heute wird öffentlicher Raum insbesondere mit der Aufforderung zum Konsum verbunden. Dem Tauschwert wird eine höhere Bedeutung zugeschrieben als dem tatsächlichen Gebrauchswert. Die AG fordert, dass den sozialen und ökologischen Werten eine höhere Bedeutung zukommt und die zukünftige Nutzung offen und unter Beteiligung aller ausgehandelt wird. Im Hinblick auf globale Herausforderungen und dynamische Entwicklungen in der Gesellschaft benötigen wir Räume für ungeplante Begegnung, Teilhabe, Kommunikation und den Aufbau neuer Erfahrungen, Kultur und Subkultur. Die AG möchten öffentliche, regulative und experimentelle Freiräume in das Bewusstsein der Stadtgesellschaft rücken und einen neuen Diskurs beginnen: Architektur, Städtebau und Freiraumplanung als partizipativer Prozess, gemeinsam entwickelt, gestalterisch komplex und offen für Veränderung.

Für die weitere Arbeit sucht die AG noch Komplizinnen und Komplizen!

Wohnen ist selbst für die Mitte der Bevölkerung kaum noch bezahlbar. Die AG widmet sich deshalb den Fragen:

  • Wie kann Gemeinwohl als feste Säule im Wohnungsbau verankert werden?
  • Wie kann sich bürgerschaftliches Engagement gemeinwohlorientiert entfalten?
  • Wie können wir eine neue »Gemeinwohlkultur« in der Gesellschaft anstoßen, die sowohl von der Bürgerschaft wie auch von Politik und Wirtschaft unterstützt und getragen wird?
  • Welche Instrumente, Strukturen und Akteure werden benötigt, um gemeinwohlorientiertes Bauen zu ermöglichen (z.B. Bürgerfonds, Quartiersinitiativen, (Bürger-) Genossenschaften)?

Neben diesen Fragen ist der AG auch die praxisorientierte Anwendung und Umsetzung wichtig.

Ziel ist die Findung neuer Strukturen und Rechtsformen als Instrumentarium für den am Gemeinwohl orientierten Wohnungsbau, d.h. bezahlbarer Wohnraum für die breite Mitte der Bevölkerung.

Bild: IBA’27 / Niels Schubert

Wie kann genügend Wohnraum für alle Menschen in der Stadt bezahlbar gemacht werden?

Die AG beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Gesamtkosten auf alle Aspekte des Bauens – vom Grundstückserwerb über das Planen, den Bau, den Betrieb, die Finanzierung etc. von Immobilien verteilen: Wo sind die Stellschrauben für eine Kostenreduktion und welche Aspekte haben dabei den größten Einfluss? Was kann in den Einzelkategorien getan werden, welche Akteure können wirklich etwas verändern und wie können einzelne Aspekte zu innovativen Lösungen führen?

Dabei werden die Fachdiszipline Partizipation, Architektur, Konstruktion, Nutzeranalyse und Vermarktung, Stadtgemeinschaft, Finanzierung, Projektentwicklung, Förderung und Sanierungsgebiet, Regulatorien sowie Prozessgestaltung betrachtet.

Ziel der Arbeitsgruppe ist die Begleitung eines Projektvorhabens und gegebenenfalls die Initiierung eines eigenständigen Projektes, in das die Überlegungen der AG einfließen können.

Bild: Christian Hass

Wer kann die Trägerschaft für ein regionales IBA-Projekt übernehmen? Was ist die richtige Projektstruktur? Wie kann das Projekt finanziert werden?

Die AG entwirft ein zukunftsfähiges Bild der Region Stuttgart mit dem Ziel der Integration strategischer und lokaler Bedürfnisse, Anforderungen und Interessen.

Nicht als Regionalplan, sondern als offene, interdisziplinäre Forschungs- und Kommunikationsplattform.

Am Ende steht ein Leitmodell als Gestaltungsrahmen für die die IBA – abgestimmt mit Bürgern, Verwaltung, Politik und Wirtschaft.

Bild: str.ucture

Welchen Beitrag kann der Leichtbau für die Stadt der Zukunft leisten und wie lässt sich diese Konstruktionsphilosophie mit dem Ziel der maximalen Gewichtseinsparung in den urbanen Kontext überführen? Mögliche Lösungen für diese und weitere Fragen sollen im Rahmen der Arbeitsgruppe erarbeitet werden.

Angesichts eines Anteils von 50 bis 60 Prozent am globalen Ressourcenverbrauch ist ein Umdenken im Bauwesen dringend erforderlich. Konfrontiert mit einer Verknappung kritischer Rohstoffe – Ressourcen wie Kies und Sand werden knapp und treiben die Materialkosten – ergibt sich erheblicher Innovationsdruck.

Leichtbau stellt eine »Schrittmacher«-Technologie dar, um mit weniger Material für mehr Menschen Raum zum Wohnen und Arbeiten zu schaffen.

Dafür werden Konzepte in den Oberkategorien Planung, Logistik, Architektur & Baukonstruktion sowie Klimaanpassung erschlossen.

Mögliche Themen:

  • Wohnungsbau & Quartiersgestaltung (z.B. leichte Bauweisen für eine qualitative Nachverdichtung)
  • Infrastruktur: Logistik in der Stadt mit leichten Versorgungsprozessen
  • Funktionsintegration (z.B. Fassaden, die mehrere Funktionen erfüllen)
  • Tragstruktur: Weitspannende Überdeckelungen
  • Digitalisierung des Bauwesens: Abgebildet anhand durchgängiger digitaler Planungsprozesse
  • Anreizsysteme: Speziell im Bauwesen mangelt es noch an Anreizen zur Ressourceneinsparung

Der Beitrag des Leichtbaus bei der Lösungsfindung soll stets den internationalen Kontext berücksichtigen – damit die IBAʼ27 in der Stadtregion Stuttgart ein architektonisches Schaufenster zur Welt werden kann.

Bild: Scharfenberger

Ziel der Arbeitsgruppe ist die entschlossene Einbeziehung biodivers und sozial wertvoller natur- und kulturlandschaftlicher Orte, Anschauungen und Verfahren in die Agenda der IBAʼ27 und der wirtschaftenden Stadtregion.

Die Arbeitsgruppe sucht die Annäherung der IBAʼ27 an das Natur- und Kulturerbe der Stadtregion Stuttgart (Heritage Approach). Sie fragt nach der biologischen Artenvielfalt im Kontext urbaner Entwicklungen und Lebensarten und will Handreichungen und Empfehlungen für das künftige Zusammenleben in der Stadregion mit einem deutlichen Mehr an erlebbarer Artenvielfalt entwickeln.

Themen und Arbeitsbereiche der AG sind die regionale Oberflächengewässer- und Grundwasserwirtschaft, geologische Formationen, ländliche Wegesysteme, Wald-, Garten- oder Agrikulturland (wie z.B. Hochstamm-Obstbaumwiesen und Allmendeformen), Übergänge von Stadt und Land, gebaute Verkehrsinfrastrukturen (Straßen, Schienenwege, Warte- und Verteilgebäude), Rückbauten/Ruinen, Brachen als Orte der Biodiversität, technische oder Industrieensembles und natürlich Wohn- und Gewerbequartiere. Wir verstehen unsere Arbeit in Teilbereichen als Weiterführung des Landschaftspark Region Stuttgart im Sinne der UNESCO Welterbekonvention.

Die AG sieht grundständige bürgerschaftliche Beteiligungen als wesentliche Bedingung zur Verwirklichung der AG-Ziele.

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