IBA als Format

Die Internationale Bauausstellung als Format

Mathildenhöhe, Darmstadt
Mathildenhöhe, Darmstadt (Bild: Jean-Pierre Dalbéra from Paris, France, La colonie dartistes jugendstil (Mathildenhöhe, Darmstadt) (7882268852), CC BY 2.0)

Internationale Bauausstellungen gibt es seit mehr als hundert Jahren.

Ausgehend von der englischen Arts and Crafts-Bewegung entstand um die Wende zum 20. Jahrhundert auf der Darmstädter Mathildenhöhe eine Künstlerkolonie, die alle Bereiche des Lebens einer kritischen Prüfung unterzog und neu zu organisieren suchte. Die Ergebnisse wurden 1901 in einer Ausstellung präsentiert. Dieses Paradebeispiel des deutschen Jugendstils gilt heute als erste Bauausstellung.

In den 1920er- und 30er-­Jahren demonstrierten gleich sechs europaweite Bauausstellungen des Deutschen Werkbunds den Triumph der Moderne, indem sie industrielle Produktionsformen, radikal neue Gestaltung und neue Wohnformen zusammenführten.

Die erste und wohl spektakulärste Werkbundausstellung fand 1927 unter dem Titel »Die Wohnung« in Stuttgart statt: Neben der Siedlung auf dem Weissenhof mit ihren 21 Musterhäusern präsentierte sie auf einem Messegelände in der Stuttgarter Innenstadt einer halben Million Besuchern modernes Design, zeitgenössische Materialien und neueste Technik.

Plakat von Willi Baumeister zur Werkbundausstellung in Stuttgart 1927 (Bild: CC BY-NC-SA 3.0, Willi Baumeister Stiftung)
Plakat von Willi Baumeister zur Werkbundausstellung in Stuttgart 1927 (Bild: CC BY-NC-SA 3.0, Willi Baumeister Stiftung)

Mit der Berliner »Interbau« im Jahr 1957 im Hansaviertel suchte das Nachkriegsdeutschland den Anschluss an die Moderne. Die hier gezeigten Prinzipien dominierten in den folgenden Jahrzehnten die Stadtplanung mit Großwohnsiedlungen und einer strikten Trennung der Funktionen.

1987 thematisierte die IBA Berlin die durch diese Planungsprinzipien entstandenen Brüche. Sie setzte sich mit Stadtreparatur und einem postmodernistischen Bewahren bestehender Stadtstrukturen auseinander und experimentierte mit neuen Wohnformen und Gebäudetypen. Damals heftig angefeindet, steht diese IBA bis heute für den Wandel der Bauausstellungen zu einem Instrument des diskursiven Nachdenkens über die Zukunft der Stadt.

IBA Emscher Park: Zollverein, Essen
IBA Emscher Park: Zollverein, Essen (Bild: Bild: Jochen Tack / Stiftung Zollverein)

Unter anderem mit der IBA Emscher Park im Ruhrgebiet in den 1990er­Jahren entwickelte sich das Format zu einem Instrument für die Umgestaltung ganzer Regionen, eingebunden in eine breite öffentliche Auseinandersetzung mit der Zukunft der Stadt. 2013 präsentierte die IBA Hamburg ihre Ergebnisse; sie befasste sich am Beispiel des Stadtviertels Wilhelmsburg mit dem weltoffenen Miteinander in Städten, mit Übergangsräumen der Ballungsgebiete zu ihrem Umland und mit Städten unter dem Einfluss des Klimawandels.

Aktuell gibt es IBAs im Dreiländereck Basel, in Heidelberg, in den südlichen Niederlanden (IBA Parkstad), in Wien und in Thüringen. Diese IBAs finden zwischen 2020 und 2023 ihren Abschluss.

Bauausstellungen sind heute keine reinen Architekturausstellungen mehr. Sie sind vielmehr breit angelegte Großprojekte und Labore der Stadt­ und Regionalentwicklung. Sie verändern Städte und Regionen baulich und strukturell und suchen nach mutigen und grundlegend neuen Antworten auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Fragen des Bauens. Ihr Ziel ist es, die Potenziale in der Bürgerschaft, in den Unternehmen, der Wissenschaft und den Verwaltungen zu vernetzen, um die Zukunft der Städte und Regionen neu zu denken und zu erproben.

Eine IBA läuft heute üblicherweise über zehn Jahre. Sie schließt mit dem Präsentationsjahr, in dem die Ergebnisse der Weltöffentlichkeit vorgestellt werden: Gebäude, Quartiere und Infrastrukturprojekte, aber auch neuartige Instrumente der Planung und Projekte aus dem sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich. Was beispielhaft realisiert wurde, hat den Anspruch, jahrzehntelang zu wirken.

Internationale Bauausstellungen haben kein vorgeschriebenes Format. Es gibt keine Jury, die über die Ausrichtung entscheidet, und kein verbindliches Regelwerk. Gleichwohl hat die Bundesregierung einen Expertenrat einberufen, der Empfehlungen und Qualitätskriterien für die Durchführung einer IBA formuliert hat. Entlang dieser Leitlinien begleitet und berät der Expertenrat laufende IBAs.

www.internationale-bauausstellungen.de

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