12.06.26

Klettern im Holzbau

Zehn Jahre zwischen Wettbewerbssieg und Eröffnung – das klingt nach einem langen Weg. Beim neuen Alpinzentrum des Deutschen Alpenvereins in Schorndorf war dieser Weg auch einer der Überzeugung: Der Verein hat das Gebäude ohne öffentliche Förderung gebaut, mit Spenden, Privatkrediten seiner Mitglieder und dem Eigenkapital einer Sektion mit rund 4.250 Mitgliedern. Am 10. Juni 2026 wurde das neue Haus nun eröffnet.

Entstanden ist ein dreigeschossiger Holzbau im Sportpark Rems, entworfen von »backeweberbleyle architekten« aus Stuttgart. Friedemann Backe hatte das Grundstück bereits gut im Blick: Sein Büro gewann 2016 den Wettbewerb für den benachbarten Bewegungskindergarten und die Mehrzweckhalle, die 2020 fertiggestellt wurden. Das Alpinzentrum komplettiert nun das Ensemble am Rand des Sportparks, zwischen Rems und Wieslauf. Die bis zu 16 Meter hohe Kletterhalle markiert den Auftakt des Geländes, ohne sich aufzudrängen – der Baukörper fügt sich in den parkartigen Charakter des Grundstücks ein.

Das neue Zentrum bietet Kletterflächen drinnen und draußen: In der Halle gibt es einen Kletterbereich und eine Boulderfläche, beides setzt sich im Außenbereich fort. Dazu kommen ein Bistro, Vereinsräume und die neue Geschäftsstelle der Sektion. Das Zentrum steht nicht nur den Vereinsmitgliedern offen – auch Schulen, Inklusionsgruppen und die allgemeine Öffentlichkeit sollen es nutzen.

Die Tragstruktur des neuen Gebäudes besteht aus Holzständerwerk. Beheizt wird mit einer Wärmepumpe, auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage Strom, das Dach ist begrünt. Auf aufwendige Haustechnik wurde bewusst verzichtet. Beim Treppenhaus entschied sich der Verein für RC-Beton – ein Recyclingmaterial, bei dem die Zuschlagstoffe aus dem Abbruch stammen und zusätzlich CO2-begast werden, was den Kohlenstoffeintrag des Betons reduziert. Für ein Vereinsgebäude dieser Größe sind das keine selbstverständlichen Entscheidungen.

Der lange Vorlauf gehört zur Geschichte des Projekts. Den Wettbewerb gewann das Büro 2016. Fünf Jahre dauerte es bis zum Projektbeschluss: Im Juli 2021 stimmte die Mitgliederversammlung des DAV Schorndorf für den Bau. Es folgten Planungsdetails, Erbpachtverhandlungen mit der Stadt Schorndorf – der Vertrag wurde im Dezember 2024 unterzeichnet – und schließlich der Spatenstich im Februar 2025. Das Richtfest fand am 1. Dezember 2025 statt, weniger als ein Jahr nach Baubeginn. Das Budget von 3,9 Millionen Euro trägt der Verein selbst.

Wenngleich auch kein offizielles IBA-Projekt, ist das Alpinzentrum ein vorbildliches Gebäude, das zeigt, was ressourcenbewusstes Bauen auch abseits großer Institutionen bedeuten kann: ein Verein stemmt einen Neubau mit klarem Energiekonzept, Recyclingmaterialien und ohne technischen Overload – finanziert durch seine eigene Gemeinschaft.

Weitere Informationen zum neuen Alpinzentrum: www.dav-schorndorf.de/alpinzentrum

Tobias Schiller / IBA’27-Team

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