18.07.16
Plattformprozess

Forum »Stadt und Region«

»Die Region ist die Stadt«

Wie organisieren wir das Miteinander von Stadt und Landschaft und wie die Zusammenarbeit in der Region Stuttgart? Wie kann die räumliche Funktionsaufteilung überwunden werden? Wie lässt sich Ressourcenschonung mit sozialer Vielfalt verbinden? Mögliche Antworten auf diese Fragen diskutierten rund 90 Vertreter der Region, der Landkreise und Kommunen beim zweiten IBA-Forum.

»Dass eine Bauausstellung dauerhaft tiefe Spuren hinterlassen kann, wissen wir spätestens seit dem Wochenende«, begrüßte WRS-Geschäftsführer Dr. Walter Rogg. Am Tag zuvor hatte die UNESCO zwei Häuser der Werkbund-Bauausstellung von 1927 ins Welterbe aufgenommen »Vielleicht gelingt uns ja mit der IBA 2027 ähnlich Wegweisendes.« IBA-Fachleute hätten immer wieder betont, dass neben dem 100. Geburtstag der Weißenhofsiedlung insbesondere der regionale Ansatz für eine IBA spreche, berichtete Rogg: »Die IBA bietet die große Chance, dass die Region Stuttgart mit einem fortentwickelten Modell der polyzentrischen Region weiter an internationaler Strahlkraft gewinnt.«

Auch Thomas Kiwitt, Planungsdirektor des Verband Region Stuttgart, plädierte dafür, die IBA für ein weiteres Zusammenwachsen der Region zu nutzen. Seine These: »Die Region ist die Stadt«. Stadtgrenzen als administrative Grenzen decken sich meist nicht mit dem Aktionsradius der Menschen. Stadtentwicklung sei daher immer auch Regionalentwicklung, die überörtlich und überfachlich ausgerichtet sein müsse. Ferner betonte er die Bedeutung von guter regionaler Governance, die die Beteiligung der Menschen gewährleiste und gleichzeitig eine zielgerichtete Entscheidungsfindung sowie die Umsetzung von Vorhaben ermögliche.

»Herausforderungen wie der demografische, klimatische und soziale Wandel, die Wohnungsnot und der Strukturwandel lassen sich nicht mehr allein kommunal, sondern nur noch regional lösen«, formulierte Prof. Dr. Detlef Kurth von der Hochschule für Technik Stuttgart. Eine IBA biete enorme Chancen, die Innovationskraft der Region zu stärken. Leitbild sei die Regionalstadt mit kooperierenden Zentren, einer Polycity im Gegensatz zur Megacity. Die IBA könne den »präventiven Strukturwandel« vorantreiben und Themen wie bezahlbarer Wohnraum, neue Mobilität, Anpassung an den Klimawandel und eine solidarische Region, die Zuwanderern eine Heimat biete.

Die internationale Relevanz einer IBA Region Stuttgart betonte Prof. Dr. Dirk Schwede von der Universität Stuttgart. Sie könne herausragende Beispiele setzen für eine nachhaltige Lebensweise. Zwar sei im globalen Maßstab der Anteil der Region an der Belastung der Umwelt gering, »mit beispielgebenden Lösungen können wir aber einen großen Einfluss haben«. Insbesondere zwei Felder sieht er als lohnende Aufgaben: Die Rückgewinnung von Bauressourcen (Urban Mining), sowie die energetische Selbstversorgung. Die IBA könne zeigen, wie heute verfügbare Technologien breit in den Gebäudebestand kommen.

Einig waren sich die Teilnehmer der anschließenden Arbeitsgruppen, dass eine IBA genutzt werden müsse, um international sichtbar neue Wege zu beschreiten. Dafür brauche es auch Mut zu Experimenten: »Wenn gar nichts schiefgeht, war es nicht mutig genug«, hieß es.

Ideen für IBA-Themen aus dem Forum »Stadt und Region« (Auswahl)

  • »Branding« der Region Stuttgart als Polycity mit vielen Mittelzentren und einem Oberzentrum
  • Entwicklung urbaner Quartiere, in denen sich Leben und Arbeiten sinnvoll ergänzen
  • Regionales Grundstücksmanagement
  • Umwidmung der Waldgebiete, Seen und Flüsse in Landschaftsparks und Naherholungsgebiete; Rückgewinnung der Flächen am Neckar
  • Stärkung des ÖPNV und Verkürzen der Reisezeiten innerhalb der Region – auch durch »radikal neue Lösungen«
  • Bau von Radschnellwegen
  • Nutzung von Dachflächen in Gewerbegebieten zum Beispiel für Urban Gardening
  • Kreislauf von Baustoffen und Nutzung von Sekundärrohstoffen als Thema in allen Projekten der IBA
  • Energetische Entwicklung des Bestandes und Realisierung von bezahlbaren Lösungen; interdisziplinäre Umsetzungskompetenz als Innovation
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