16.01.24

Auf den Quartiers-Maßstab kommt’s an: weniger Wohnfläche wirklich erreichen!

Vom Land als »beispielgebendes Projekt« ausgewählt: Die junge Tübinger Genossenschaft Neustart: solidarisch leben+wohnen eG. In der »Patenschaft Innovativ Wohnen BW« stellt das Land neue, innovative und zugleich übertragbare Ansätze für bezahlbares Wohnen in ein landesweites Schaufenster. Aus 31 Einreichungen werden nun drei Projekte in der 4. Fördertranche unterstützt.

Womit die Neustart-Genossenschaft offenbar überzeugt hatte: sie setzt konsequent auf sparsamere Wohnfläche, kombiniert mit quartiersweitem Sharing und geteilter sozialer Infrastruktur. Denn weniger Quadratmeter pro Person gilt als mächtigster doppelter Lösungsbeitrag für Bezahlbar-Wohnen und Klimaschutz, den beiden Zentralziele der Förderausschreibung.

Ein koordiniertes Maßnahmenbündel …

Hier setzt die Neustart-Innovation an: Das Vorhaben im IBA’27-Netz will das Thema mit ganz vielen gleichzeitigen Mitteln angehen. Die Überzeugung: »Mit der erstmaligen systematischen Verknüpfung der stärksten Hebel im Quartiers- statt Einzelhausmaßstab überwindet unser ökosoziales 450-Personen-Experimentierquartier die Blockade, die landauf, landab beklagt wird: Dass zu wenig gebaut wird, dass bauen und mieten rasant teurer wird, dass zu viele in zu großen Wohnungen leben, dass selbst umzugsbereite Menschen faktisch kaum umziehen, und damit so selten Familienwohnungen frei werden.«

Dazu kombiniert die Neustart eG verschiedenste Mosaiksteine zu einem systematischen Bündel, das ist landesweit neu in dieser Konsequenz: von flächensparsamen Wohnungstypen und Quadratmeter-Vorgaben über »atmende Wohnungsgrößen je nach Haushaltsgröße« und Belegungsregeln bis hin zu quartiersweitem Sharing und geteilter sozialer Infrastruktur – geplant mit einem weiterentwickelten Ankernutzungsverfahren: »Das macht ganz viel privateigene Flächen und Güter unnötig – das eigene Auto nebst Stellplatz, selten genutzte platzraubende Konsumgüter oder schwach genutzte Gästezimmer oder Arbeitsplätze.« Die Möglichkeiten bleiben weiterhin vorhanden, werden aber geteilt und koordiniert genutzt. Das sichert auch die nachhaltige Teilhabe für alle, trägt zu bezahlbarem Wohnen bei.

… statt nur ratlose Beratung

Die Stadt Tübingen hat schon viel in Sachen schlummernde Wohnflächen versucht, u.a. in den ambitionierten Programmen Optiwohn oder »Wir haben noch Platz« und setzt weiter darauf. Sie hat deshalb die Neustart-Bewerbung in Stuttgart klar unterstützt und will ihre bewährten Verfahren der Quartiersentwicklung auch selbst weiterentwickeln: Weil so Besser-wohnen-mit-weniger-Quadratmeter attraktiv wird, weil das alles nahräumliche Umzugsketten mobilisiert und damit Familienwohnungen frei werden. Neustart: »Wir wollen eine Art Kettenreaktion mit ganz vielen Hebeln auslösen. Dazu braucht’s gute Koordination und ein paar neue Steuerungsinstrumente, die Einbeziehung des ganzen Quartiers, inklusive Nachbarquartiere. Und einen Pool von genug Haushalten mit ganz verschiedenen Zusammensetzungen und an ganz verschiedenen Punkten im Lebenslauf.«

Einmal entwickelt, kann dann das Modell auf andere Projekte übertragen werden. Für die Neustart-Genossenschaft kommt der Fördererfolg wie gerufen: »Ein hoher sechsstelliger Förderbetrag oder gar noch mehr ist für unsere junge, ehrenamtlich arbeitende Genossenschaft ein Riesenanschub – gerade jetzt, wo es bald mit kostspieligen Planungsarbeiten losgeht.«

Weitere Infos:

Ulrich Otto / Wohn- und Alternsforscher. Wohnaktivist (u.a. Neustart eG TÜ)

2 Kommentare

Herzlichen Glückwunsch + 🍻 auf die Kettenreaktion!

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Markus

Danke, Markus! Wir werden auf jeden Fall von den Erfahrungen berichten. Und vom ganzen langen komplexen Weg dahin…. 🙂

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Ulrich Otto

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