28.11.2019

Impulse für IBA-Vorhaben

Beim vierten Plenum der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) standen Austausch und Vernetzung im Mittelpunkt. Dafür kamen rund 400 Menschen in die Stadthalle nach Nürtingen und informierten sich beim »Markt der Möglichkeiten«. Hier stellten sich die IBA-Arbeitsgruppen sowie Forschungsprojekte aus der Hochschul- und Wissenschaftsregion Stuttgart an über 40 Ständen vor. Vertreterinnen und Vertreter eingereichter Projekte, das IBA-Kuratorium und weitere Fachleute tauschten Ideen und Visionen mit den Arbeitsgruppen und Forschungsprojekten aus.

»Ich freue mich, dass die Region Stuttgart durch die IBA weiter zusammenwächst« so Nürtingens Oberbürgermeister Johannes Fridrich, der den zweiten Teil des Programms eröffnete. Fritz Kuhn, IBA’27-Aufsichtsratsvorsitzender und Stuttgarts Oberbürgermeister, bekräftigte, dass bereits die ganze Region vom »IBA-Fieber« ergriffen sei. Nur gemeinsam mit allen Akteuren in der Region könnten Antworten auf die Frage gefunden werden, wie wir in Zukunft leben wollen.

»Das Plenum gehört den Teilnehmenden. Es ist als Plattform für einen produktiven Austausch gedacht«, erklärte IBA’27-Intendant Andreas Hofer das Konzept des Abends. Zu den fünf »Themen und Räumen« der IBA – die produktive Stadt, die Zukunft der Zentren, Orte der Bewegung und Begegnung, das Erbe der Moderne und der Neckar als Lebensraum – waren sieben Fachleute für kurze Impulsvorträge eingeladen.  

Der Schweizer Architekt Markus Schaefer zeigte auf, dass Urbanität und industrielle Nutzung keinen Widerspruch bilden. Ganz im Gegenteil würden Nutzungsmischung und Dichte Städte sogar reicher machen. Er betonte: »Verdichtung ist nicht schlecht, sie bedeutet ein Mehr an Vielfalt in einem Raum«. Durch Dichte entstehe mehr soziale Interaktion und Gemeinschaft in urbanen Räumen. Prof. Martina Baum vom Städtebau-Institut der Universität Stuttgart stellte das Projekt »Täglich öffentlich« vor. Durch die Schaffung öffentlicher und multifunktionaler Gebäude entstehen in Städten Räume für Gemeinschaft und Austausch.

Für ein ressourcenschonenderes Bauen machte sich die Architektin Kerstin Müller vom Baubüro »in Situ« aus Basel stark. Durch die Wiederverwendung von Baumaterial, wie beispielsweise von Fenstern und Dämmung, könnten Rohstoffe gespart und die Ökobilanz von Neubauten verbessert werden. Die Devise müsse künftig lauten: »Recycling statt Müllverbrennungsanlage.«

Nicht nur durch Neubauten, sondern auch durch die Umnutzung bestehender Gebäude kann mehr attraktiver und bezahlbarer Wohnraum in Städten geschaffen werden. Das machte die Stadtforscherin Leona Lynen deutlich. Sie stellte das Projekt »Haus der Statistik« in Berlin vor. Das ehemalige Verwaltungsgebäude direkt am Alexanderplatz stand mehr als zehn Jahre leer. »Da fragt man sich, warum so viel Fläche in Zeiten von Wohnungsknappheit nicht genutzt wird«, sagte Lynen. Die Initiative »Haus der Statistik« setzte sich dafür ein, das Haus vor dem Abriss zu bewahren und umzuwandeln. In einem kollaborativen Prozess vieler unterschiedlicher Akteure – darunter die eigens gegründete Genossenschaft genauso wie die Berliner Stadtverwaltung sowie zivilgesellschaftliche und künstlerische Initiativen – wird das Areal nun gemeinwohlorientiert entwickelt.

Zur lebenswerten Stadt gehört auch eine menschengerechtere Mobilität. Sollte Fußgängern künftig Vorrang vor dem Autoverkehr eingeräumt werden? Gibt es ein gut ausgebautes Radwegenetz?  Entspricht der öffentliche Nahverkehr den Bedürfnissen der Nutzer? Für IBA’27-Kurator Kristian S. Villadsen vom dänischen Stadtplanungsbüro »Gehl – Making Cities for People« ist klar: »Öffentliche Mobilität muss die einfachste und bequemste Möglichkeit sein.« Nur so könnten Menschen davon überzeugt werden, das Auto stehen zu lassen und das Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. 

Zum Abschluss vertieften der Landschaftsarchitekt Johann Senner aus Überlingen und der Berliner Architekt Tim Edler die Frage, wie Flüsse wieder Teil der Stadt werden können. Senner zeigt an der Bewerbung Nürtingens für die Landesgartenschau, wie der Neckar revitalisiert werden kann. Schwimmen im Neckar? Bisher noch eine Utopie – die sich in Berlin gerade in ein realisierbares Projekt verwandelt. Durch ein Flussbad direkt an der Museumsinsel soll ein Abschnitt der Spree wieder zum Ort der Erholung und Gemeinschaft werden. Edler erklärte, wie der Weg von der Utopie zum Projekt in Berlin organisiert wurde und welche Steine es noch aus dem Weg zu räumen gilt.

Das nächste IBA’27-Plenum findet am 07. Mai 2020 statt.

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