29.05.2019

Wohnen neu gedacht

Das IBA’27-Plenum #3 diskutierte über das Wohnen im 21. Jahrhundert. Wie wollen wir zukünftig wohnen und leben? Vor etwa einhundert Jahren hatte Bruno Taut dazu eine klare Vorstellung: »Das Haus muss seinem Bewohner passen, wie ein gut sitzender Anzug.« Eine der Thesen der Avantgarde der 1920er-Jahre, die zu Beginn des Abends von Schauspielern vorgetragen wurden. Doch sind diese noch zeitgemäß? Oder vielleicht schon wieder? Mit dieser Frage eröffneten die Moderatoren Amber Sayah und Jan-Timo Ort die Diskussionsrunde – angelegt als Fishbowl, in die alle 250 Anwesenden einbezogen wurden. Den Start auf dem Podium machten: IBA-Intendant Andreas Hofer, die IBA-Kuratoriumsmitglieder Folke Köbberling und Heidi Pretterhofer sowie Frank-Peter Unterreiner, Herausgeber des Immobilienbrief Stuttgart, und Raquel Jaureguízar, Projektleiterin im Team der IBA’27. Dokumentiert wurde die Diskussion live von Axel Simon, Redakteur der Schweizer Zeitschrift Hochparterre [Dokumentation als PDF].

Über die Themen »Gesellschaft«, »Gemeinschaft« und »Privatsphäre« spannte sich ein Bogen über aktuelle Fragen des Wohnens, auf die die IBA’27 mit ihren Projekten in den kommenden Jahren Antworten finden soll. Andreas Hofer unterstrich zu Beginn die Wichtigkeit einer Vision für das Wohnen im 21. Jahrhundert und machte den Unterschied zu den 1920er-Jahren deutlich: »Heute geht es um Individualität, früher war Uniformität das Ziel.« Wohnen sei ein Grundrecht, jedoch nicht ohne den gesellschaftlichen Kontext aus dem Blick zu verlieren, meinte dazu Folke Köbberling.

So rückte die breite Partizipation am Planungsprozess in den Mittelpunkt: Wie kann dieses elementare Thema in die Gesellschaft getragen werden? Es ging um Leerstand, »Betongold«, Nachverdichtung und die infrastrukturelle Anbindung des ländlichen Raums. Auch, wie kleinere Gemeinden die Reise in die Zukunft mitgehen können. Der Bürgermeister der Stadt Dettingen unter Teck berichtete von seinen Erfahrungen, zur Sprache kamen mehrfach Bedenken hinsichtlich des oft starren rechtlichen Rahmens. Die IBA’27 gilt hier als Chance für die gesamte Region Stuttgart.

Gemeinschaft war das zweite Stichwort: Wie können neue Wohnformen entwickelt werden, hinsichtlich einer Quote von über 50 Prozent Ein-Personen-Haushalten in Stuttgart? Ist mobiles Wohnen eine Lösung oder gar das Mikrohaus aus dem 3D-Drucker? Eine Wortmeldung forderte, die kulturelle Identität der Stadtregion zu erforschen. Raquel Jaureguízar plädierte für eine »Mediterranisierung« Stuttgarts. Dem öffentlichen Raum müsse dazu größere Aufmerksamkeit zukommen. Die ganze Stadt als »Wohnraum« mit einer wertschätzenden Gestaltung öffentlicher Flächen, die trotzdem die Privatsphäre wahren und Individualität zulassen – vom NIMBY zum YIMBY. Dazu gehört auch die Umnutzung vorhandener Verkehrsflächen. Allerdings bedingt das ein politisches Umdenken, das laut Frank-Peter Unterreiner Voraussetzung sein sollte.

Der zweite Teil des Abends gehörte den Fachforen »Politik und Gesellschaft«, »Wirtschaft und Mobilität«, »Forschung und Technologie« sowie »Planen und Bauen«. Die daraus entstandenen 21 offenen Arbeitsgruppen haben bereits Ziele formuliert und erste Aufgaben verteilt. Welche das sind, erläuterten im Anschluss die Leiterinnen und Leiter der AGs. Beim nächsten IBA’27-Plenum im Herbst wird die Arbeit der Fachforen im Mittelpunkt stehen.
(Text: Ursula Hoffmann)

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Programmheft zum Plenum#3

Einleger zum Programmheft: Projektkarte

Dokumentation der Diskussion: Wohnen neu denken – Wie wohnen? (Text: Axel Simon)

Alle Arbeitsgruppen im Überblick

Fachforum »Politik und Gesellschaft«
Forenleitung: Irene Armbruster und Prof. Dr. Tilman Harlander, Prof. Dr. Stephan Trüby

AG 1: Beteiligung
Ansprechpartnerin: Irene Armbruster

AG 2: Wohnen im Umbruch und Wandel
Ansprechpartner: Prof. Dr. Tilman Harlander

AG 3: Digitale Stadt
Ansprechpartnerin: Dr. Brigitte Reiser

Fachforum »Wirtschaft und Mobilität«
Forenleitung: Prof. Christoph Ehrhardt und Dr. Jürgen Wurmthaler

AG 1: Smart mobility in a smart city
Ansprechpartner: Dr. Winfried Keiper, stv. Ansprechpartner: Prof. Dr. Jörg Schönharting

AG 2: Mobilitätshubs
Ansprechpartner: Dr. Jürgen Wurmthaler, stv. Ansprechpartnerin: Dr. Annette Albers

AG 3: Über Garagen, die voll sind, und die Zukunft der Arbeit
Ansprechpartner: Clair Bötschi

Fachforum »Forschung und Technologie«
Forenleitung: Prof. Dipl.­Ing. Thomas Auer, Susanne Braun, Dr. Alexander Rieck

AG 1: Produktive Stadt
Zuständige Fachforenleiterin: Susanne Braun

AG 2: Klima und Energie
Zuständiger Fachforenleiter: Prof. Dipl.-Ing. Thomas Auer

AG 3: Neue Materialität
Zuständiger Fachforenleiter: Dr. Alexander Rieck

AG 4: Leichtbau
Zuständiger Fachforenleiter: Prof. Dr. Michael R. Buchmeister

Fachforum »Planen und Bauen«
Forenleitung: Thomas Kiwitt, Prof. Dr. Detlef Kurth, Prof. Dr. Christina Simon­Philipp

AG 1.1: Regionale Planungskultur für eine regionale IBA
Ansprechpartner: Peter Scharfenberger, stv. Ansprechpartnerin: Karin Azza

AG 2.1: Wohnen & Produktion, Industrie / Gewerbe / Hybride Konzepte. Knoten, ÖPNV, Verdichtung
Ansprechpartner: Florian Stocker

AG 2.2: Dichte und Qualität
Ansprechpartner: Jens Krimmel, stv. Ansprechpartner: Wolfgang Jaworek

AG 3.1: Neue Formen der Nutzungs­ mischung und der sozialen Quartiersentwicklung umsetzen
Ansprechpartnerin: Beate Landis (provisorisch), stv. Ansprechpartnerin: Wallie Heinisch

AG 3.2: Freiraum 27
Ansprechpartnerin: Verena Loidl, stv. Ansprechpartner: Urs Müller-Meßner

AG 4.1: Flächenbedarf / ­verbrauch
Ansprechpartner: Ulrich Mach, stv. Ansprechpartner: Sascha Rudolf

AG 4.2: Gemeinwohl als Prinzip im Wohnungsbau. Bürger bauen für Bürger
Ansprechpartnerin: PD Dr. Anja Reichert-Schick, stv. Ansprechpartner: Hans-Günther Wolfer

AG 4.3: Wohnraum für alle in einer funktionierenden Stadtgemeinschaft
Ansprechpartner: Matthias Both, stv. Ansprechpartnerin: Gabriele Mair

AG 5.1: Bilder für eine zukunftsfähige Stadtregion
Ansprechpartner: Markus Weismann, stv. Ansprechpartnerin: Ina Schröder

AG 5.2: Leichtbau im urbanen System
Ansprechpartner: Dr.-Ing. Julian Lienhard, stv. Ansprechpartner: Raphael Kroneisen

AG 6.1: Biodiversity meets urban culture
Ansprechpartner: Peter Scharfenberger

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