Clusterwohnen am Wiener Platz: Wie eine neue Hausgemeinschaft entsteht
Wer heute über zukunftsfähigen Wohnungsbau spricht, kommt an Clusterwohnungen kaum vorbei. Sie verbinden kompakte, eigenständige Wohneinheiten mit großzügigen gemeinschaftlichen Bereichen und sind somit eine Antwort auf knappe Flächen, hohe Baukosten und den Wunsch nach mehr Miteinander. Vor allem gemeinwohlorientierte Bauträger und Wohninitiativen beschäftigen sich mit diesem Modell. In mehreren IBA’27‑Projekten sind Clusterwohnungen bereits geplant oder im Bau.
Doch wie funktioniert dieses Prinzip konkret und wie lebt es sich darin? Ein Beispiel liefert das Quartier am Wiener Platz in Stuttgart‑Feuerbach, wo aus einer ehemaligen Industriebrache ein neues Stück Stadt entsteht. Hier steht eine Clusterwohnung bereit, die noch auf ihre künftige Hausgemeinschaft wartet.
Im Quartier am Wiener Platz
Das Quartier ist als genossenschaftliches, urbanes Ensemble mit dauerhaft preisgedämpften Mietwohnungen, geförderten Wohnungen, Gewerbe und gemeinschaftlichen Angeboten angelegt. Hier sollen Nachbarschaften entstehen, in denen man sich kennt, Räume teilt und Verantwortung füreinander übernimmt – vom Innenhof über Gemeinschaftsräume bis zur Dachterrasse.
Die frühere Industriebrache des Schoch‑Areals direkt am Feuerbacher Bahnhof wurde zu großen Teilen von Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG entwickelt. Das Areal ist das erste Projekt, das im Rahmen des Bündnisses für Wohnen der Landeshauptstadt Stuttgart realisiert wurde.
Die Clusterwohnung ist Teil dieser Idee. Sie liegt in einem Haus, in dem bereits Stuttgarts erste Mieterbaugemeinschaft lebt – Bewohnerinnen und Bewohner, die das gemeinschaftliche Wohnen aktiv gestalten und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter suchen.
Was Clusterwohnen hier bedeutet
Im Kern folgt die Clusterwohnung einem klaren Prinzip: Es gibt eigenständige, abgeschlossene und flächenoptimierte Wohneinheiten, die durch einen großzügigen gemeinsamen Mittelpunkt ergänzt werden. Konkret gliedert sich die Wohnung in drei gleich große Zweizimmerwohnungen mit jeweils eigenem Bad. So entsteht genug Raum für Privatsphäre, Homeoffice und Rückzug.
Diese Bereiche werden in einem großen, hellen Gemeinschaftsraum mit Wohn- und Essbereich sowie einer gut ausgestatteten Einbauküche zusammengeführt. Dieser Raum ist das Herz der Wohnung: Hier wird gemeinsam gekocht, diskutiert, gefeiert oder einfach der Alltag geteilt – vom schnellen Kaffee am Morgen bis zum späten Gespräch nach einem langen Arbeitstag.
Anmieten als Gruppe – Verantwortung als Gemeinschaft
Die Clusterwohnung wird »am Stück« angemietet, und die Gruppe organisiert sich selbst: Regeln, Aufgaben und Alltag. Sie entscheidet, was, wie oft und wann gemeinsam gekocht wird, welche Rituale gelebt werden und wie offen die Tür für Nachbar:innen steht. Das Modell richtet sich an Menschen, die mehr suchen als eine reine Zweck-WG und ihr Wohnumfeld aktiv mitgestalten möchten.
Mehr Gemeinschaft im ganzen Haus
Die Clusterbewohner:innen leben nicht isoliert, sondern mitten in einer aktiven Hausgemeinschaft. Angebote wie die »WaschBar«, ein Gemeinschaftsraum mit angeschlossenem Waschsalon, werden spontan zum Treffpunkt, etwa wenn die Maschinen laufen und jemand Kaffee aufsetzt.
Hinzu kommt eine gemeinschaftlich genutzte Dachterrasse mit Blick über Feuerbach – ein Ort für Sommerabende, kleine Feste oder eine Pause in der Sonne. Die Idee des Clusterwohnens endet damit nicht an der Wohnungstür, sondern setzt sich im gesamten Haus und im Quartier fort.
Für wen diese Wohnung gedacht ist
Die Clusterwohnung am Wiener Platz richtet sich an Menschen, die nicht allein, aber auch nicht in der klassischen WG wohnen wollen. Sie eignet sich für Berufstätige, Studierende, Alleinerziehende oder Paare, die Gemeinschaft schätzen, sich zugleich aber einen klar abgegrenzten, eigenen Bereich wünschen.
Entscheidend ist weniger die Lebenssituation als die Haltung: die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen, sich einzubringen und Wohnen als gemeinschaftliches Projekt zu begreifen. Wer das mitbringt, findet hier mehr als Wohnraum: eine Struktur für gemeinsames Leben.



Grazyna Adamczyk-Arns / IBA’27-Team
