Holzbaupreis 2026: Zwei IBA’27-Projekte ausgezeichnet
78 Einreichungen, vier Auszeichnungen – zwei davon gehen an IBA’27-Projekte. Der Holzbaupreis Baden-Württemberg zeichnet Bauten aus, die Klimaschutz, Baukultur und Innovation zusammendenken. ZERO. in Stuttgart-Möhringen und das Holzparkhaus in Wendlingen am Neckar haben die Jury überzeugt, ebenso eine Wohnaufstockung in Karlsruhe und eine Brücke in Tuttlingen. Gemeinsam zeigen sie, wie breit das Einsatzspektrum des Holzbaus inzwischen ist.
ZERO., Stuttgart-Möhringen
Was auf dem ehemaligen Hansa-Areal in Stuttgart-Möhringen lange Planungsarbeit war, steht heute: ein fertig bezogenes Bürogebäude aus fast 300 vorgefertigten Holzmodulen aus regionalem Holz. Zwei Holzbaubetriebe fertigten die kubischen Raumelemente unter kontrollierten Bedingungen, komplett mit Fassade. Auf der Baustelle selbst dauerte die Montage nur wenige Wochen. Das Ergebnis ist ein Gebäude ohne aufwändige Haustechnik: natürliche Lüftung über Brüstungsklappen, Eisspeicher, Photovoltaik. Gemeinschaftsflächen im Erdgeschoss, flexible Büros darüber. Eine Struktur, die Nutzungsänderungen nicht erschwert, sondern einplant.
Hans-Peter Künkele, Projektleiter bei der IBA’27: »Der Preis bestätigt, was uns von Anfang an klar war: Modulbauweise, ökologische Sorgfalt und gute Architektur sind kein Wiederspruch. Das ZERO. ist das Ergebnis einer sehr ambitionierten und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten, vom ersten Modul bis zum bezogenen Gebäude. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team. Für die IBA’27 ist es ein schönes Signal, dass diese Art zu bauen in der Realität und in der Fachwelt ankommt.«


Holzparkhaus, Wendlingen an Neckar
Am Wendlinger Bahnhof stand lange eine Frage: Wie baut man Parkinfrastruktur, die in zwanzig Jahren noch sinnvoll ist? Die Antwort ist ein fünfgeschossiger Holzbau, der heute Pendelnden und Besucher:innen Stellplätze bietet und morgen für Wohnen oder Arbeiten umgebaut werden kann. Keine Verbundmaterialien, nur Schraubverbindungen. Die Geschosshöhen orientieren sich nicht am Auto, sondern an künftigen Nutzungen. Die Rampenanlage lässt sich stockwerkweise zurückbauen. Der ovale Baukörper markiert bereits heute den Auftakt eines neuen Stadtquartiers auf dem ehemaligen Otto-Areal.
Dr. Raquel Jaureguízar, Projektleiterin bei der IBA’27: »Im Gegensatz zur Tiefgarage bleibt ein solches Parkhaus offen für Veränderung: rückbaubar, umnutzbar, anpassungsfähig. Dass das mit Holz, mit einfachen Verbindungen und klarer Konstruktion gelingt und dabei auch noch ästhetisch ist, zeigt, wie viel in dieser Bauaufgabe steckt. Diese Auszeichnung hat die Stadt Wendlingen verdient, für ihre Offenheit, Dinge anders anzugehen, und den Mut, es dann konsequent umzusetzen.«


Thea Leisinger / IBA’27-Team
