Gemeinsame Medieninformation
Nachwuchswettbewerb »Reclaim the River« 2026 entschieden
Konzepte zur produktiven Flusslandschaft ausgezeichnet
Der Neckar als Wirtschaftsader, Klimapuffer und öffentlicher Raum zugleich: Mit diesem Anspruch lobten der Verband Region Stuttgart (VRS), die IBA’27 Friends, die Wüstenrot Stiftung und die Josef Wund Stiftung den Nachwuchswettbewerb »Reclaim the River« 2026 aus. Unter dem Schwerpunktthema »Die produktive Flusslandschaft« waren junge Planerinnen und Planer aufgerufen, Ideen einzureichen, die Gewerbestandorte zum Wasser öffnen, Produktion und öffentliches Leben verknüpfen und Gewässer in Energiekonzepte einbeziehen. Aus 13 Einreichungen wählte die Jury zwei gleichrangige Siegerentwürfe sowie einen Sonderpreis. Die Preise wurden am 21. Mai bei der Neckartagung »Flussregion werden! Die Fabrik, die Stadt und ihr Fluss« vergeben.
Prof. Gunther Laux, Vorsitzender der Jury: »Die Vielfalt der Einreichungen hat mich beeindruckt. Besonders überzeugend war, dass die Teilnehmenden das Schwerpunktthema ernst genommen und sehr unterschiedliche Antworten darauf gefunden haben. ›Utopien aus Umbrüchen‹ denkt groß und städtebaulich, ›Flusswandern‹ löst ein konkretes Problem mit eleganten Mitteln. Beide Ansätze sind gleichermaßen überzeugend.«
Zwei erste Preise für unterschiedliche Perspektiven auf den Fluss
Den ersten Preis erhielt die Arbeit »Utopien aus Umbrüchen« von Lisa Beuchle und Maximilian Stengele (Universität Stuttgart). Der Entwurf untersucht das Benzviertel in Stuttgart-Untertürkheim, bislang ein abgeschottetes Werksareal, und entwickelt daraus einen gemeinwohlorientierten Stadtraum. Die Jury würdigte insbesondere die schrittweise Öffnung des Gebiets durch Pioniernutzungen sowie die präzise städtebauliche Ausarbeitung. Der Entwurf zeigt, wie industrielle Standorte entlang des Neckars transformiert werden können, ohne ihre Geschichte zu verlieren.
Ebenfalls den ersten Preis erhielt die Arbeit »Flusswandern« von David Auch, Veit Auch, Antonios Gampouras und Mona Lieb. Ausgangspunkt ist ein Stauwehr an der Rems in Weinstadt-Endersbach. Ein seitlich verlaufender Kanal umgeht die Barriere und stellt die Durchgängigkeit des Flusses wieder her, für Fische ebenso wie für Kanufahrende. Eine begehbare Wasserfilteranlage reinigt das Wasser und macht es in einem Flussbad direkt erlebbar. Den Entwurf zeichnet aus, dass er Erlebbarkeit, ökologische Durchgängigkeit und Wasserqualität in einem räumlichen Konzept zusammenführt. Als pragmatisch und realisierbar eingestuft, sticht die Arbeit zudem durch ihre Übertragbarkeit heraus: Das Prinzip lässt sich auf die zahlreichen Wehranlagen im gesamten Neckar-Einzugsgebiet anwenden und kann als Modell für das gesamte Flusssystem dienen.
Sonderpreis für poetischen Blick auf den Neckar
Einen Sonderpreis erhielt die Arbeit »Konfluenz der neckischen Sonden« von Jan Haevescher, Annabel Arens, Albert Papenhausen Fuster, Friedrich Brockmann und Paul Knauer. Die Arbeit nimmt keine klassische planerische Position ein, sondern gibt dem Neckar als Gesamtsystem eine Stimme. Vier themenbezogene Sonden erforschen den Fluss von der Quelle bis zur Mündung und machen seine räumlichen und funktionalen Verflechtungen etwa zur Landwirtschaft und zur Produktion sichtbar. Die Jury überzeugte die klare, poetische Haltung der Arbeit sowie ihren Beitrag zur Diskussion im Sinne der Nature-Rights-Bewegung, des Rechtskonzepts, das Ökosystemen fundamentale Rechte zuspricht.
Wettbewerb als Impuls für neue Planungskultur
»Der Wettbewerb zeigt, welche Transformationspotenziale entlang des Neckars noch ungenutzt sind«, sagt Hans-Peter Künkele, Projektleiter der IBA’27. »Dass junge Planerinnen und Planer Produktion, Stadtentwicklung und Flussraum gemeinsam denken, ist Ausdruck eines grundlegenden Wandels in der Planungskultur. Mit dem Wettbewerbsformat ›Reclaim the River‹ wollen wir dafür eine Plattform schaffen.«
Auch der Verband Region Stuttgart sieht in den prämierten Arbeiten wichtige Impulse für die regionale Entwicklung. »Der Neckar kann zu einem zentralen Entwicklungsmotor der Region werden.«, sagt Dr. Christine Baumgärtner, Referentin für Landschaftsentwicklung beim Verband Region Stuttgart. »Die ausgezeichneten Ideen eröffnen neue Perspektiven für die Zukunft am Fluss.«
Die Wüstenrot Stiftung unterstützte den Wettbewerb erneut als Förderpartnerin. »Der Wettbewerb soll langfristig eine neue Planungskultur für die regionalen Gewässer anstoßen«, sagt PD Dr. Anja Reichert Schick, Leiterin der Themengebiete Bildung und Zukunftsfragen bei der Wüstenrot Stiftung. »Dass sich so viele junge Kreative mit dem Neckar auseinandersetzen, stimmt uns optimistisch.«
Hintergrund
Der kanalisierte Neckar ist Projektionsfläche für viele Wünsche: Produktion, Klimaanpassung, Biodiversität und Naherholung sollen hier zusammenfinden. Bereits zum zweiten Mal diskutierte die Neckartagung – dieses Mal unter dem Aspekt »Flussregion werden – Die Fabrik, die Stadt und ihr Fluss« – unter welchen Voraussetzungen das gelingen kann. Der Nachwuchswettbewerb »Reclaim the River« lieferte dazu konkrete Entwurfsideen aus der nächsten Planergeneration.
Gemeinsame Medieninformation der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) und des Verband Region Stuttgart










