11.03.26

Bestand als Ressource

Weiterbauen in Feuerbach – Über Bestand, Ideen und Verantwortung

Wie lässt sich mit dem weiterbauen, was schon da ist? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung »Bestand als Ressource«, zu der am 4. März mehr als 60 Interessierte ins Gemeindehaus an der St.-Mauritius-Kirche in Stuttgart-Feuerbach kamen. Diskutiert wurde über die beiden Bauvorhaben der Kirchengemeinde – das neue Gemeindehaus und das Waldheim, beide Teil der IBA’27 – und über Strategien des Weiterbauens, über Kosten, Prozesse und die kreative Energie, die im Umgang mit dem Bestehenden steckt.

Nach der Begrüßung führte Moderator Prof. Rudolph sachkundig und lebendig durch einen Abend, der Fachinput und offene Diskussion verband. Den Auftakt bildeten drei inspirierende Vorträge:

  • Prof. Annika Seifert zeigte mit Projekten aus Mexiko, Italien und Frankreich, welche architektonischen Möglichkeiten sich ergeben, wenn man das Vorhandene ernst nimmt und gezielt weiterentwickelt. Angesichts des Klimawandels, so ihr Plädoyer, heißt verantwortungsbewusstes Handeln nicht, auf architektonischen Anspruch zu verzichten. Im Gegenteil: zahlreiche Beispiele zeigen, wie schön und zugleich überzeugend Gebäude sein können, die im Sinne der Ressourcenschonung beim Bauen und im Betrieb weiterentwickelt wurden. Zahlreiche Beispiele zeigen, wie schön und klug überzeugend aus dem Bestand entwickelte nachhaltige Gebäude sein können.
  • Prof. Kyrill Keller, Mitglied der Planungs-Arbeitsgemeinschaft für die Weiterentwicklung des Gemeindehauses, stellte die historische und kulturelle Dimension des Bauens im Bestand heraus: »Der Ort wird schon da gewesen sein«, sagte er und erinnerte daran, dass Menschen seit jeher Strukturen und Materialien weiternutzen. 
  • Sören Schmeusser, Architekt des neuen Gebäudes für das Waldheim Lindentäle, brachte schließlich eine andere Perspektive ein: Er berichtete vom intensiven Austausch mit den Waldheimer:innen und einem Planungsprozess, in dem die bestehende Nutzung selbst als Ressource betrachtet wurde.

Die anschließende Diskussion machte deutlich: ressourcenschonendes Planen und Bauen im Bestand ist anspruchsvoll – zeitlich, organisatorisch und mitunter auch finanziell. Doch der Gewinn liegt auf der Hand: Identität bleibt erhalten, Ressourcen werden geschont, gesellschaftliche Verantwortung wird sichtbar. Besonders passend war das Gemeindehaus als Veranstaltungsort: Das Gebäude wird weitergebaut, ohne seine Geschichte zu verlieren. Viele Stimmen aus dem Publikum würdigten die Haltung und Beharrlichkeit der Planer:innen – und das Engagement, mit dem die Kirchengemeinde Feuerbach ihre Projekte verfolgt.

Nach dem offiziellen Programm setzten sich die Gespräche fort. Bei Getränken wurde noch bis in die späten Abendstunden weiterdiskutiert. 

Das Interesse an einer Fortsetzung ist groß – und der Termin steht bereits fest: Am 5. Mai 2026 um 19 Uhr geht die Veranstaltungsreihe weiter.

Das Projekt »Neues Gemeindehaus Feuerbach« wird gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen aus Mitteln des Programms Pilotprojekte – Innovationen im Gebäudebereich.

Grazyna Adamczyk-Arns / IBA’27-Team

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