20.01.26

Grundstein für die Matthias-Erzberger-Höfe gelegt

Mit der Grundsteinlegung für die Matthias-Erzberger-Höfe in Reutlingen ist ein weiteres Vorhaben im IBA’27-Netz in die Bauphase gestartet. Auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofs im Norden Reutlingens errichten die WGR – Wohnungsgenossenschaft Reutlingen eG – und die GWG Wohnungsgesellschaft Reutlingen rund 160 öffentlich geförderte Wohnungen. Ergänzt wird das Angebot durch Gewerbe, gemeinschaftlich nutzbare Räume und soziale Infrastruktur.

Acht Gebäude formen ein weitgehend autofreies Quartier. Eine zentrale Quartiersgarage ersetzt Tiefgaragen. Fahrradbereiche, eine Mobilitätszentrale, flexibel nutzbare Zusatzräume, ein Quartiersraum und ein öffentlicher Waschsalon öffnen das Projekt in die Nachbarschaft. Photovoltaik, Regenwassermanagement, begrünte Dächer und Wärmepumpen tragen ebenfalls zur Nachhaltigkeit des neuen Quartiers bei.

Der Reutlinger Oberbürgermeister Thomas Keck freute sich anlässlich der Grundsteinlegung, »dass hier nun wieder genossenschaftlich gebaut wird«. Das Projekt sei ein starkes Bekenntnis zu Reutlingen. »Die Matthias-Erzberger-Höfe stehen für eine Stadt, in der Wohnen für alle möglich bleibt.«

Für die GWG verwies Geschäftsführer Lars Grüttner auf die kurze Umsetzungszeit. »Nur anderthalb Jahre lagen zwischen der politischen Entscheidung und dem Baubeginn – das ist alles andere als selbstverständlich. Möglich wurde das nur durch ein Miteinander, das man so nicht alltäglich erlebt.« Es habe einen starken gemeinsamen Willen gegeben, gemeinsam Zukunft zu gestalten. Hinzu käme nun in der Umsetzung die serielle Bauweise in Verbindung mit lokalen Gestaltungsvorgaben: »Diese Kombination ermöglicht Geschwindigkeit.«

IBA’27-Intendant Andreas Hofer stellte das Vorhaben in den größeren Zusammenhang der Bauausstellung. »In den letzten acht Jahren hat sich vieles verändert – Corona, Krieg in der Ukraine, Baukrise. Das Einzige, was sich nicht verändert hat, ist der Bedarf an Wohnungen.« Das Motto des ersten IBA-Festivals »So wie bisher können wir nicht weitermachen« sei in vielen Köpfen angekommen – und das Reutlinger Vorhaben zeige beispielhaft, wie sich neue Wege umsetzen lassen. Die oberirdische Quartiersgarage statt einer Tiefgarage etwa zeige, wie sich Kosten, Klimaadaption und CO₂-Bilanz intelligent zusammenbringen lassen. »Wir müssen strukturell anders über das Bauen nachdenken, wenn es bezahlbar bleiben soll«, so Hofer.

Die Matthias-Erzberger-Höfe sind Teil des Netzwerks der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. Der Name erinnert an den aus Buttenhausen im Landkreis Reutlingen stammenden Politiker Matthias Erzberger, einen frühen Schrittmacher des Parlamentarismus, der 1921 ermordet wurde. »Erzberger steht für den Mut, Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen — auch wenn sie politisch unpopulär waren«, so Dr. Iris Beuerle, Direktorin des Verbands baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. bei der Grundsteinlegung.

Tobias Schiller / IBA’27-Team

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