Haus von Hier
Massives Holz, filigrane Weidenruten und fester Lehm verbinden sich
Im Zentrum von Bad Boll entwickelt ein ortsansässiges Holzbauunternehmen in enger Zusammenarbeit mit Forschenden Mehrfamilienhäuser aus lokalen, nachwachsenden Baustoffen – Holz, Lehm, Flachs, Weide und Schiefer. Der Einsatz robotisch hergestellter, kreislaufgerechter Konstruktionen erprobt beispielhaft digitales, nachhaltiges Bauen.
Wo früher ein Tanzcafé stand, entsteht im Ortskern von Bad Boll neuer Wohnraum. Die Baulücke schließt sich und fügt sich in das gewachsene Ortsbild mit seinen dicht gesetzten Gebäuden, Satteldächern und wechselnden Giebelrichtungen ein. Als gestalterisches Vorbild dienen historische Fachwerkhäuser: Ausgehend von den Anforderungen des Brandschutzes wird ein geschossweiser Brandriegel ausgebildet. Die hierfür erforderliche konstruktive Tiefe wird architektonisch genutzt und interpretiert das traditionelle Auskragen der Stockwerke in zeitgemäßer Form. Die beiden Wohngebäude verbinden regionale Baustoffe mit einer kreislauffähigen Bauweise. Fachleute aus Forschung und Praxis errichten sie aus vorgefertigten Holzelementen – leimfrei gefügt und dadurch sortenrein rückbaubar. Die 30 Zentimeter starken Außenwände aus lokalem Vollholz kommen ohne zusätzliche Dämmung aus; Trockenaufbauten mit Kalksplitt ersetzen konventionelle Estrichkonstruktionen. Flexible Grundrisse und großzügige Raumhöhen machen die Gebäude offen für wechselnde Nutzungen, der hohe Vorfertigungsgrad verkürzt die Bauzeit spürbar. Die Wohnungen richten sich an ältere Menschen und junge Erwachsene – eine wichtige Ergänzung des Wohnraumangebots im ländlichen Raum. Einige Geschossdecken dienen als Prototypen für neuartige Deckenkonstruktionen aus natürlichen, regional verfügbaren Rohstoffen. Bei einigen Decken ersetzen Holz-Lehm-Verbunddecken mit Weidenbewehrung die klassische Stahlbetondecke. Bei anderen fügen Roboter Restholzstücke aus der Wandproduktion zu Deckenelementen mit individuell gestalteter Untersicht zusammen. An der Südfassade umspannen haushohe Strukturen aus verwobenen Flachsfaserbündeln das Gebäude wie eine zweite Haut. Sie dienen als Rankhilfen, Absturzsicherung und natürliche Verschattung zugleich. Eine Monitoringphase soll zeigen, wie sich natürliche und innovative Baumaterialien im Betrieb verhalten und welchen Einfluss sie auf Raumklima und Wohlbefinden haben.
Zahlen und Fakten
| Ort | Bad Boll |
| Größe | 1.300 m² Wohnfläche beim ersten Bauabschnitt, ingesamt 2.100 m² |
| Projektstart | IBA’27-Projekt seit 2024 |
| + | Raum für ca. 70 Bewohner:innen |
| Ablauf | seit 2022 Planung und Entwicklung Architekturbüro H2A, Eislingen/Fils und Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe 2024 Aufnahme in das IBA’27-Netz 2025 UTA Architekten und Stadtplaner übernehmen die weitere Planung 2026 Baustart 2027 geplante Fertigstellung 1. Bauabschnitt, Start 2. Bauabschnitt und anschließende Evaluierung |
| Projektträgerin | Bässler Projektbau GmbH, Göppingen |
Kontakt
Projektträgerin
Bässler Projektbau GmbH
Tilman Bässler
Steinstr. 25
73037 Göppingen
IBA’27-Projektleiterin
Tina Muhr, Projektleiterin für das Haus von Hier Bad Boll
Luftbild



