Brücke über den Seeblickweg
Holz, Beton und Carbonfasern
Wie können auch Verkehrsbauwerke dazu beitragen, die Nutzung von Ressourcen und den CO₂-Ausstoß zu verringern? Zwischen den Stadtteilen Steinhaldenfeld und Neugereut kann man das zukünftig an der Geh- und Radwegbrücke über den Seeblickweg ablesen. Der Überbau setzt sich aus zwei vorgefertigten Holzträgern mit einer Länge von 69,20 Meter und einer Breite von vier Meter zusammen. Auf die Holzträger wurde vor Ort eine Betonplatte gegossen, die den Träger überragt und vor Witterung schützt. Die Betonplatte ist mit Matten aus Carbonfasern anstelle des klassischen Stahls bewehrt. Dies verringert das Eigengewicht der Konstruktion. Damit konnte sie auch schlanker ausgeführt werden. Die Kombination der drei Werkstoffe Holz, Beton und Carbonfasern schont Ressourcen – weniger Beton und mehr Holz senken die CO₂-Bilanz. Der Verzicht auf Bewehrungsstahl bedeutet mehr Langlebigkeit, da keine Korrosion auftreten kann.
Mit der Fuß- und Radwegbrücke, die am 12. Februar 2025 eröffnet wurde, hat die Landeshauptstadt Stuttgart erstmals eine Brücke in dieser Materialität und Konstruktion realisiert. Das Tiefbauamt und das Amt für Stadtplanung und Wohnen setzten das Projekt gemeinsam mit Harrer Ingenieure, Wolff & Müller sowie Forschungseinrichtungen wie der TU Dortmund und der TH Augsburg um. Es zeigt damit, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung gemeinsam neue Wege in der Stadtentwicklung gehen. Seit 2015 gehörte das Vorhaben zu den investiven Sanierungsmaßnahmen, die in der Bürgerbeteiligung zur Sozialen Stadt Neugereut abgestimmt wurden. Im Bund-Länder-Programm »Sozialer Zusammenhalt« war es zu 100 Prozent förderfähig, und Bund und Land übernahmen 60 Prozent der Kosten.
Im Oktober 2026 wurde die Brücke über den Seeblickweg beim Deutschen Ingenieurbaupreis für herausragende Ingenieurbaukunst ausgezeichnet.
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