20.08.20
Interview

»Die digitale Stadt gemeinsam gestalten«

Die IBA’27-AG »Smart City – Digitalisierung, Ethik und Beteiligung« hat in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) den E-Learning-Kurs: »Unsere Smarte Stadt« erarbeitet. Vom 13.11. bis 11.12.20 bringt dieser Bürger und weitere kommunale Akteurinnen darüber ins Gespräch, wie digitale Technologie den sozialen Zusammenhalt stärken kann. Dr. Brigitte Reiser, Lisa Häußler und Rainer Nübel von der IBA’27-AG erläutern Intention und Ziele des Kurses.

Was will der E-Learning-Kurs »Unsere smarte Stadt«, den Sie gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg entwickelt haben, vermitteln?

»Mit diesem Bildungsangebot wollen wir speziell die Zivilgesellschaft darüber aufklären, was man unter einer Smart City versteht und wie die Digitalisierung städtische Lebensbereiche verändert. Wir benennen die Chancen und Risiken der Entwicklung, schauen uns empirische Beispiele in Europa an, machen uns Gedanken über das Verhältnis von Technik und Gesellschaft.

In einem Kurs-Modul behandeln die digitale Ethik: Wie können wir den digitalen Wandel so gestalten, dass die Werte, die uns wichtig sind, nicht verletzt werden? Wie soll die intelligente Stadt, wie soll unser Leben in ihr aussehen?

Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses liegt auf der Frage nach der Beteiligung der Einwohnerschaft: mit welchen Formaten kann man die digitale Teilhabe fördern und Alternativen entwickeln, welche lokalen Akteure spielen hier eine wichtige Rolle?«

Was verspricht sich die AG von dem Kurs? Warum haben AG-Mitglieder die Kursinhalte ehrenamtlich erstellt?

»Wir möchten das Wissen zum Thema Smart City, Ethik und Beteiligung durch den E-Learning-Kurs bis in den hintersten Winkel des Landes und der IBA-Stadtregion bringen, weil wir davon überzeugt sind, dass die aktive Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern an Smart-City-Debatten wichtig ist. Die digitale Stadt können und sollten wir gemeinsam gestalten, das kann kein Top-down-Projekt sein. Wie unsere Stadt in Zukunft aussehen wird, geht uns alle etwas an.

Für die Zivilgesellschaft muss es darum gehen, Einfluss auf die Ausgestaltung der intelligenten Stadt zu nehmen. Dazu brauchen Bürgerinnen und Bürger, aber auch gemeinnützige Organisationen, mehr Wissen, mehr digitale Kompetenzen und Technologie-Souveränität.

Der E-Learning-Kurs bietet einen guten und wissenschaftlich fundierten Einstieg in das Thema Smart City, Ethik und Beteiligung. Man kann von zu Hause aus im eigenen Lerntempo am Kurs teilnehmen und wird von einem Tutor begleitet. Und die Kurskosten sind bewusst niedrig, damit niemand von der Kursteilnahme ausgeschlossen ist.«

Warum ist es wichtig, sich mit Smart City und digitaler Ethik im Kontext der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBA’27) auseinanderzusetzen?

»Gerade im Rahmen der IBA’27 sollte man sich unbedingt mit den Aspekten Ethik und Beteiligung in der smarten Stadt befassen. Denn 2027 wird das Thema angesichts der fortschreitenden technologischen Entwicklung nochmal eine ganz andere Relevanz haben als heute.

Aktuell denken viele, dass Ethik ein Randthema ist, die Kirsche auf der Torte sozusagen, und die technischen Möglichkeiten im Mittelpunkt stehen müssen. Aber schon heute werden die Grundlagen für morgen gelegt und Handlungsfenster, die es für die Ausgestaltung der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz im Moment noch gibt, schließen sich vielleicht schon bald.

Die IBA sollte also die ethischen Fragen auf ihrer Agenda haben und Projekte forcieren, die sich ebenfalls mit digitaler Ethik und Beteiligung auseinandersetzen, damit wir 2027 Antworten geben können, die beispielhaft sind und in die Zukunft reichen.«

Was kann der Kurs bewirken?

»Wir erhoffen uns, dass durch den Kurs und die Wissensgrundlagen, die er vermittelt, die Diskussion innerhalb der Zivilgesellschaft zum Thema Smart City, Ethik und Beteiligung gefördert wird. Und dass in den Städten und Gemeinden der IBA-Region Gesprächskreise zum Thema entstehen, Zukunftswerkstätten durchgeführt werden und die Civic-Tech-Community Zulauf erhält oder neue Kreise sich bilden, in denen digitale Kompetenzen und Data Literacy erlernt werden können.

Hackathons, Living Labs, gemeinschaftliches Kartieren, Data Commons – das sind Formate, in denen man gemeinwohlorientierte, nicht-kommerzielle Anwendungen entwickeln kann. Wir hoffen insgesamt auf konstruktive Diskurse. Wir brauchen keine Polarisierungen, sondern gemeinschaftliches, inklusives Gestalten.«

An wen richtet sich der Kurs, wer kann teilnehmen?

»Der Kurs ist für alle passend, die sich für das Thema interessieren. Er richtet sich generell an die Akteure der smarten Stadt und spricht hier besonders die Zivilgesellschaft an, das heißt Bürgerinnen, Bürger und gemeinnützige Organisationen. Aber auch kommunale Vertreterinnen und Vertreter können viel aus dem Kurs mitnehmen.«

Wie geht es weiter? Was kommt nach dem Seminar?

»Grundsätzlich soll dieser E-Learning-Kurs nicht nur einmal stattfinden, sondern er ist als fortlaufendes Angebot gedacht, das in den nächsten Jahren immer wieder durchgeführt werden kann. Zusätzlich können wir die Inhalte des Kurses auch analog vermitteln: im Sinne des Blended Learnings können die Online-Anteile des Kurses sehr gut mit Präsenzveranstaltungen und Workshops in den Kommunen und Quartieren ergänzt werden.

Parallel zum Kurs hat unsere AG einen Kontakt zum IBA’27-Projekt ›Der neue Stöckach‹ der EnBW in Stuttgart aufgebaut. Hier soll ein innovatives und nachhaltiges Stadtquartier entstehen. Vielleicht können wir schon hier einige unsrer Anregungen einbringen. Auch mit der Stadt Stuttgart sind wir diesbezüglich in Kontakt.«

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